Wie kann meine Kommunikationsweise das Konfliktpotential gering halten?

Als Therapeut*in, Pädagog*in oder Pflegefachkraft ein bezahltes Auslandsjahr in den USA erleben.

Leben und Arbeiten mit der Gastfamilie – Konfliktpotential erkennen

12 Monate mit derselben Familie, auf engem Raum und 45 Arbeitsstunden die Woche- das birgt Potential für Konflikte. Wie kannst du es schaffen, dass aus Missverständnissen und stressigen Alltagssituationen kein Konflikt wird? Wie kannst du es schaffen, dass das Verhältnis ein gutes bleibt und sich nicht unterschwellige negative Gefühle einschleichen?

Diese Fragen habe ich mir gestellt, denn ich bin laut dem Persönlichkeitstest Typ „weiss“ und „blau“, und vermeide eher Konflikte, ich brauche Harmonie.
Der Persönlichkeitstest ist ein guter Anfang, denn Personen mit derselben Farbe neigen dazu, gut in der Zusammenarbeit miteinander zu harmonieren, während Personen mit verschiedenen Farben eher das Potential für Konflikte und verschiedene Ansichten haben. Sehr wahrscheinlich hat deine Gastfamilie im Bewerbungsprozess auf die Farbwahl geachtet und sehr wahrscheinlich stimmst du zumindest mit einem Elternteil deiner Gastfamilie mit den Farben überein.

Zwei junge Frauen lächel und führen ein freundliches Gespräch

Kommunikation in der Ich-Perspektive – Missverständnisse vermeiden

Wenn eine Situation aufkommt, wo verschiedene Meinungen herrschen, du dich nicht gehört oder ausgenutzt fühlst, oder ähnliches, ist zunächst wichtig: Wenn du ein Anliegen anbringen möchtest, sprich am besten in der Ich-Perspektive. Bleibe bei deinen Emotionen und formuliere Ich-Sätze. Ein Beispiel: “Ich merke, ich habe morgens viele Sachen auf einmal zu tun, bevor die Kinder zum Bus kommen“. Sätze aus der Ich-Perspektive sind defensiver und etwas neutraler, und haben nicht einen anklagenden Beigeschmack. Wohingegen: „Du lässt mich so viele Sachen allein machen, das ist mir zu viel“, gleich eine Note von Anklage hat.

Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun verstehen

An dieser Stelle kann man das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun einbeziehen. Schulz von Thun legt vier Ebenen der Kommunikation dar: Appelleben, Beziehungsebene, Selbstoffenbarungsebene und Sachebene. Bei potentiellen Konfliktsituationen ist es ratsam in der Selbstoffenbarungsebene zu sprechen, wie bei dem Beispielsatz geschehen. Die Selbstoffenbarungsebene bedeutet: Ich kommuniziere meine innere Gefühlswelt und gebe Gedanken von mir preis.

Gefühle benennen und eigene Emotionen ausdrücken

Es ist ebenfalls ratsam, ein Gefühl zu benennen. Was bewirkt diese konkrete Situation / das Verhalten deines Gastkindes bei dir? Was bewirkt, dass „Ich muss so viele Sachen morgens schaffen, bevor die Kinder losgehen“ bei dir? Du könntest also in diesem Beispiel hinzufügen „ Ich fühle mich oft gestresst durch die lange to-do Liste morgens und die knappe Zeit.“ Bis zu diesem Punkt hast du also noch keine anklagende Aussage über die Gasteltern gemacht, sondern bist nur bei dir und deinem Gefühl geblieben. Dennoch hast du aber das Problem und wie es dir damit geht, dargelegt und somit deiner Gastfamilie den Ball zugespielt.
Drei junge Frauen lächeln und führen ein freundliches Gespräch

Worte wie „nie“ und „immer“ vermeiden – Konfliktverschärfung verhindern

Ebenfalls wichtig ist, Worte wie „nie“ und „immer“ zu vermeiden. Denn diese beiden Worte vermitteln eine ausschließliche Denke, die oft nicht ganz zutrifft, sondern eben der eigenen Wahrnehmung entspricht und meist dem Frust, der sich wahrscheinlich angestaut hat, geschuldet ist.

Offene Kommunikation und gemeinsame Lösungsfindung

Ein weiterer Schritt ist, dass du nicht gleich eine Lösung parat haben musst. Zeige dich offen, und lege erstmal nur das Problem dar. Stelle eine offene Frage, indem du deine Gasteltern in die Problemlösungsfindung einbeziehst: „Hast du eine Idee wie wir das ändern können?“

Konflikte gehören dazu – der richtige Umgang zählt

Konflikte lassen sich nur in gewissem Grad vermeiden, und es ist sehr wahrscheinlich, und in gewisser Weise auch nötig, dass Konflikte in deinem Auslandsjahr entstehen. Dies ist an dieser Stelle wichtig hervorzuheben. Du arbeitest mit deiner Gastfamilie eng zusammen, sowohl zeitlich als auch räumlich, und zu einer Zusammenarbeit gehört auch Konflikt und der Umgang damit.

Wie kann meine Kommunikationsweise das Konfliktpotential gering halten?