Leben und Arbeiten mit der Gastfamilie – Konfliktpotential erkennen
12 Monate mit derselben Familie, auf engem Raum und 45 Arbeitsstunden die Woche- das birgt Potential für Konflikte. Wie kannst du es schaffen, dass aus Missverständnissen und stressigen Alltagssituationen kein Konflikt wird? Wie kannst du es schaffen, dass das Verhältnis ein gutes bleibt und sich nicht unterschwellige negative Gefühle einschleichen?
Diese Fragen habe ich mir gestellt, denn ich bin laut dem Persönlichkeitstest Typ „weiss“ und „blau“, und vermeide eher Konflikte, ich brauche Harmonie.
Der Persönlichkeitstest ist ein guter Anfang, denn Personen mit derselben Farbe neigen dazu, gut in der Zusammenarbeit miteinander zu harmonieren, während Personen mit verschiedenen Farben eher das Potential für Konflikte und verschiedene Ansichten haben. Sehr wahrscheinlich hat deine Gastfamilie im Bewerbungsprozess auf die Farbwahl geachtet und sehr wahrscheinlich stimmst du zumindest mit einem Elternteil deiner Gastfamilie mit den Farben überein.
Kommunikation in der Ich-Perspektive – Missverständnisse vermeiden
Wenn eine Situation aufkommt, wo verschiedene Meinungen herrschen, du dich nicht gehört oder ausgenutzt fühlst, oder ähnliches, ist zunächst wichtig: Wenn du ein Anliegen anbringen möchtest, sprich am besten in der Ich-Perspektive. Bleibe bei deinen Emotionen und formuliere Ich-Sätze. Ein Beispiel: “Ich merke, ich habe morgens viele Sachen auf einmal zu tun, bevor die Kinder zum Bus kommen“. Sätze aus der Ich-Perspektive sind defensiver und etwas neutraler, und haben nicht einen anklagenden Beigeschmack. Wohingegen: „Du lässt mich so viele Sachen allein machen, das ist mir zu viel“, gleich eine Note von Anklage hat.
Das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun verstehen
An dieser Stelle kann man das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun einbeziehen. Schulz von Thun legt vier Ebenen der Kommunikation dar: Appelleben, Beziehungsebene, Selbstoffenbarungsebene und Sachebene. Bei potentiellen Konfliktsituationen ist es ratsam in der Selbstoffenbarungsebene zu sprechen, wie bei dem Beispielsatz geschehen. Die Selbstoffenbarungsebene bedeutet: Ich kommuniziere meine innere Gefühlswelt und gebe Gedanken von mir preis.
Gefühle benennen und eigene Emotionen ausdrücken
Worte wie „nie“ und „immer“ vermeiden – Konfliktverschärfung verhindern
Ebenfalls wichtig ist, Worte wie „nie“ und „immer“ zu vermeiden. Denn diese beiden Worte vermitteln eine ausschließliche Denke, die oft nicht ganz zutrifft, sondern eben der eigenen Wahrnehmung entspricht und meist dem Frust, der sich wahrscheinlich angestaut hat, geschuldet ist.