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Berufserfahrung

Mein Amerika-Abenteuer

Als Ergotherapeutin nach Arlington, Virginia

Von Gastautor Katharina Drabant − 11. Dezember 2014 remove_red_eye 2.738 Views

Die Ergotherapeutin Katarina Drabant verbrachte ein ganzes Jahr in Virginia und betreute vor Ort unter anderem ein Kind mit Zerebralparese. In unserem Magazin erzählt sie von ihrem "Amerika-Abenteuer".

Als ich durch eine Freundin von „apex“ erfahren habe, hielt ich das für die perfekte Lösung. Ein Jahr im Ausland wollte ich schon immer mal verbringen, dort dann das Land und die Leute kennen lernen, Geld verdienen und auch schon Berufserfahrung nach der Ergotherapieausbildung sammeln klang nach genau der richtigen Kombination.

Nachdem ich mich auf der Homepage für das Programm angemeldet habe, bekam ich verschiedene Familienvorschläge und habe mich für die Familie aus Arlington, VA entschieden. Die beiden Jungs auf die es aufzupassen gilt heißen Felix und Max. Felix war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt und mit einer sensorischen Integrationsstörung, sowie Angststörungen diagnostiziert. Max war 4 Jahre alt und ein Frühchen, er litt unter einer Zerebralparese und einem Hydrozephalus.

Ende Januar 2013 ging es nun auf die große Reise nach Amerika. Meine Gastfamilie hat mich toll aufgenommen und auch die beiden Jungs haben sich schnell an die Zeit mit ihrem neuen „Professional Caregiver“ gewöhnen können. Auch ich habe mich schnell wohl gefühlt. Die Familie war unglaublich nett, das Haus und die Gegend typisch amerikanisch und erste Kontakte zu Amerikanern und anderen Programmteilnehmern leicht gefunden.

Meine Gastkinder mit einem selbstgebackenen Geburtstagskuchen

Meine Gastkinder mit einem selbstgebackenen Geburtstagskuchen

Mein typischer Tag begann morgens um 6:30 AM mit dem Frühstück für die Jungs. Für alles wurde sich viel Zeit gelassen, und so blieb vor der Schule auch immer noch Zeit zum Spielen, in der ich die Schultaschen gepackt habe. Max wurde immer um kurz vor 8 AM vom Schulbus abgeholt, mit Felix habe ich dann noch die Hausaufgaben gemacht und ihn dann zur Schule gebracht. Dann hatte ich Freizeit bis Max’s Bus um 2:45 PM dann wieder kam. Die freie Zeit morgens habe ich immer ganz unterschiedlich genutzt. Mal bin ich zum Sport ins Fitnessstudio, mal habe ich mich mit Freunden zum Frühstück oder Shopping getroffen oder Zuhause entspannt oder mit Freunden und Familie daheim geskypt. An manchen Tagen habe ich auch in der Schule von Max hospitiert und dort die Ergotherapeutin begleitet. Der Nachmittag sah im Prinzip immer gleich aus. Max kam mit dem Bus von der Schule, hat einen kleinen Snack gegessen und mit der gepackten Tasche (voll mit „wipes“, „snacks“, „band-aids“, „tissues“, usw.) ging es dann zu Felix Schule. Von da sind wir entweder auf den Spielplatz oder ins Schwimmbad um die Freizeit von 4 – 6 PM bis zum Abendessen gut zu nutzen. Zum Abendessen war meine Gastmutter und meist auch mein Gastvater dabei und die Kinder konnten von ihrem Tag berichten. Nach dem Aufräumen, deutscher Schokolade zum Nachtisch und einer kleinen TV-Show ging es dann in die Badewanne und von da ab ins Bett.

Wenn meine Gasteltern da waren, hatte ich nach dem Abendessen Feierabend und konnte diese Zeit nach Belieben nutzen. Da meine Freundinnen in der Umgebung alle ähnliche Arbeitszeiten hatten und meist früh anfangen mussten, haben wir die Abende gerne gemeinsam beim Sport oder gemütlich bei einer DVD oder im Kino mit den Liegesesseln ausklingen lassen. Die Wochenenden hatte ich üblicherweise frei. Hin und wieder bin ich tagsüber eingesprungen wenn meine Gasteltern arbeiten mussten oder einer auf Geschäftsreise war, oder wenn die beiden einen Abend ausgegangen sind. Sonst wurden die Wochenenden genutzt um weiter Land und Leute kennen zu lernen. Wir haben Tages- oder ganze Wochenendausflüge in sehenswerte Städte, wie bspw. New York, Atlantic City, Boston oder Chicago gemacht oder das Nachtleben in Arlington und Washington DC erkundet.

Felix mit seiner Schultüte

Felix mit seiner Schultüte

Das Jahr ist so schnell vergangen und man hat so viel erlebt und gemacht. Im Sommer haben wir den Großvater in Missouri und die Verwandtschaft in Colorado besucht und Felix ist in die erste Klasse eingeschult worden. Wir haben die vielen Feiertage traditionell amerikanisch und die Geburtstage der Jungs mit kitschiger Torte und vielen Geschenken gefeiert.

Jeder der von so einer Auslandszeit berichtet sagt immer so leicht „This was the best time of my life“ du was soll ich sagen? Ich kann das nur bestätigen, denn auch ich hatte in den 13 Monaten einfach die beste Zeit meines Lebens! Man lebt in den Tag hinein und hat wenn es gut läuft keine großen Ängste und Sorgen, sondern erfüllt sich Lebensträume. Die Familie stellt das Zimmer und die Verpflegung und das Gehalt am Ende der Woche ist im Prinzip nur zum shoppen, feiern und reisen. Ich habe in der Zeit mehr als zwanzig der Staaten von Amerika gesehen, weil man Dinge macht, auf die man in Deutschland nie gekommen wäre. Beispielsweise bin ich mit einer Freundin 600 km nach Hartford, Connecticut gefahren nur um das Maroon 5 Konzert zu sehen, habe in New York Silvester am Times Square gestanden, bin mit Delphinen geschwommen und habe einen Helikopterflug über den Grand Canyon gemacht. Man probiert vieles einfach aus und geht zu Halloween einfach mal für 40$ in einen „haunted forrest“, obwohl einem im normalen Wald schon gruselig genug ist, oder verbringt das Wochenende im „lake house“ und entdeckt vorm Frühstück eine möglicherweise giftige Schlange in der Küche. Am Ende wird über alle verrückten Geschichten einfach gelacht und passende Fotos zu den schönsten und skurrilsten Momenten ins „Scrapbook“ geklebt.

Mit apex habe ich sehr gut Erfahrungen gemacht. Von dem Beginn der Bewerbung, bis zum Zertifikat zum Schluss war die Organisation für mich da. Vor allem die Betreuung vor Ort war grandios. Mein Area Director Diana hat mich bereits am ersten Wochenende vor Ort besucht und anschließend monatliche lokale Treffen organisiert. Bei diesen haben wir Sportveranstaltungen besucht, sind zum Kajaking oder Schlittschuhfahren gegangen, haben uns beim Baseball im „batting-cage“ versucht und hatten regelmäßige Picknicks, wie beispielsweise am 4. Juli zum Feuerwerk am Washington Monument, im Sommer mit allen Gastfamilien oder zu Weihnachten.

Abschließend lässt sich gut zusammenfassen, dass dieses Jahr meine Erwartungen nicht nur erfüllt sondern auch übertroffen haben.

Sowohl persönlich, als auch beruflich bin ich in der Zeit gereift. Als Ergotherapeutin hat es mir unglaublich weiter geholfen Teil einer Familie mit Kindern mit „Special Needs“ zu sein. In meiner jetzigen Arbeit in einer ergotherapeutischen Praxis kann ich mit 25 Jahren ehrlich sagen, dass ich weiß wie es auch Zuhause mit Kindern abläuft, verstehe warum man mal nicht die Ergo-Hausaufgaben machen konnte, aber auch wie wichtig die Umsetzung von Therapie in den Familienalltag ist. Zudem habe ich eine Familie in Amerika dazu gewonnen, die ich gerne wieder besuchen gehe und über deren Besuch in Deutschland ich mich freue.

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