Berufserfahrung

Kevin arbeitete als PROaupair in San Francisco mit einem Kind mit ADHS

Der Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger aus Dresden berichtet von seinem Jahr

13. April 2015 remove_red_eye 2.930 Views

Kevin Herbrig arbeitete ein Jahr in der Bay Area von San Francisco als PROaupair. Der gelernte Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger aus Dresden kehrte nach einem Jahr mit vielen Erlebnissen, einer zweiten Familie und sogar seiner heutigen Frau in seine Heimat zurück.

Nach der Ausbildung direkt in die USA

Nachdem ich 2011 meine Ausbildung zum Gesundheits- u. Kinderkrankenpfleger abgeschlossen hatte, befasste ich mich bereits mit dem Gedanken eines Auslandaufenthalts in den USA. Jedoch traute ich mich noch nicht recht.
Nach einem Gespräch mit der Geschäftsführerin Susan Asay auf der Messe Karriere-Start Anfang 2012 in Dresden fasste ich den Entschluss: Ich werde in die USA gehen!

Da ich bereits im Vorfeld ein Online-Profil erstellt hatte, konnte ich den Anmelde- und Matching-Prozess etwas verkürzen. Nun hieß es: Reisepass beantragen, Nachweise einholen, Interview mit dem Coach, Online-Kurs absolvieren, Visum beantragen und und und… Das klingt erst einmal recht stressig, ist es aber dank der guten Unterstützung des Coaches nicht.

Die Betreuung eines Jungen mit ADHS und Angststörungen

Schon kurz nach der Landung in San Francisco wusste ich, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Der Empfang meiner Gastfamilie war sehr herzlich und ich wurde gut aufgenommen. In den ersten Tagen gab mir meine Gastmutter viel Freiraum, damit ich mich an alles Neue gewöhnen konnte.

Meine Gasteltern haben drei Kinder. Ich war das erste PROaupair in der Familie überhaupt und hauptsächlich zur Betreuung des zweitältesten Sohnes, 9 Jahre alt, beauftragt.
Er hat keine “Special Needs”, aber er leidet unter Angststörungen und einer Art ADHS. In meiner Ausbildung sammelte ich bereits Erfahrung mit Kindern, die ähnliche Störungen und Auffälligkeiten haben aufweisen. Mein Gastjunge ist sehr aktiv, sportlich, clever und eigentlich immer auf Zack.

Es gab keine festen Therapiepläne, nur ein “Tutoring” zwei Mal pro Woche, um seine Rechtschreibschwäche zu bessern. Daheim gab es einen strengen Plan mit Regeln, die mal mehr, mal weniger gut umgesetzt werden konnten. Meine Hauptaufgabe war es eine enge Bindung zu dem Jungen aufzubauen und ihn im Falle eines Wutausbruchs aus der Situation heraus zu holen und zu beruhigen.

Mein typischer Arbeitstag

Mein typischer Arbeitstag begann um 07:00 Uhr mit dem Zubereiten des Frühstücks bzw. dabei zu assistieren und nebenbei die Brotdosen – den Wünschen der Kinder entsprechend – zu packen. Danach ging es meist schon gegen 08:00 Uhr los, um das älteste Mädchen in die Schule zu fahren. Die jüngste war auch mit im Auto und ging mit mir meist noch in einen Park, da für sie die Schule später anfing. Gelegentlich haben wir auch zusammen die Einkäufe erledigt, das sparte Zeit und machte der Kleinen auch noch Spaß.

Nachdem alle Kinder in der Schule waren hatte ich dann meine Pause. Um 14:45 Uhr habe ich zuerst die jüngeren Kinder abgeholt, dann die Große. Anschließend standen je nach Wochentag verschiedene Aktivitäten auf dem Plan: Tanzen, Fußball, Gymnastik und und und…

Wenn wir dann so gegen 17 Uhr wieder daheim waren, galt es die Hausaufgaben zu erledigen und gemeinsam das Abendessen vorzubereiten. Alles wurde frisch zubereitet und selbst gekocht.
Prinzipiell endete hier meine Arbeitszeit, jedoch verbrachte ich gern noch mehr Zeit mit den Kindern, bevor sie ins Bett mussten.

"The best time of my life"

Vor Ort ist man nie allein. Es gibt viele Au-pairs in der Nähe, mit denen man sich entweder über den Mittag oder am Abend nach getaner Arbeit in einem Café treffen kann. Bei Problemen oder Fragen kann man sich auch jederzeit an den Area Director wenden.

Meine Familie hat mir sehr viel ermöglicht und ich bin ihr heute noch für vieles dankbar. Auch dafür, dass sie mich nach meinem Unfall so stark unterstützt haben. Beim Trampolinspringen brach ich mir den Fuß und musste schließlich einen Gips tragen. Für meine Gastfamilie war es zuerst ein Schock, aber meine Gesundheit und Genesung stand für alle im Vordergrund. Meine Gastmutter hat sich sehr engagiert, mir zu helfen, obwohl ich ihr ja eigentlich helfen sollte. Ich bin meiner Familie immer noch sehr dankbar, dass sie in dieser Zeit so zu mir gehalten hat. Dank des Versicherungspaketes, welches man für das Visum benötigt, war alles abgedeckt und ich musste nichts selber zahlen.

Kevin und seine Frau

Kevin und seine Frau

Ich blicke gern auf die Zeit in den USA zurück und bereue nicht einen Tag, mich dafür entschieden zu haben. Es war definitiv die beste Zeit meines Lebens, in der ich viele Leute kennen und sogar lieben gelernt habe. Ich habe immer noch guten Kontakt zu meiner Gastfamilie. Aber das aller Beste an diesem einen Jahr war, dass ich dort meine jetzige Frau getroffen habe.

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