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Berufserfahrung

Judith: PROaupair für ein Mädchen mit reaktiver Bindungsstörung und posttraumatischem Stresssyndrom

Die 26-Jährige Diplom-Ergotherapeutin Judith aus Dresden

Von Gastautor Judith − 18. September 2014 remove_red_eye 3.001 Views

Judith betreute in Atlanta eine Mädchen mit reaktiver Bindungsstörung und posttraumatischem Stresssyndrom. Aufgrund ihrer Fähigkeiten als Ergotherapeutin konnte sie gute Fortschritte mit dem Kind erzielen.

Ich kann mich noch gut an den Winter 10/11 erinnern. Ich befand mich in der Endphase meines Studiums zur Diplom-Ergotherapeutin, meine Diplomarbeit war fast fertig geschrieben (Arbeiten in Australien – ein Berufsratgeber für Ergotherapeuten) und ich hatte bereits ein Jobangebot in der dominikanischen Republik in einem Heim für behinderte Kinder. Doch dann kam eine Komilitonin auf mich zu und erzählte mir von apex. Wow. Was für eine tolle Möglichkeit. Als Ergotherapeutin in den Usa arbeiten, mein Englisch verbessern und vielleicht ein Tor für meinen eigentlichen Traum – Australien – öffnen. Ich brauchte nicht lange überlegen und bewarb mich noch am selben Tag. Nicht ein einziges Mal habe ich diese Entscheidung bereut.

Nach Telefonaten mit verschiedenen Familien überall in den USA habe ich recht schnell mein Herz an Deb und ihre adoptierte Tochter Harley verloren. Deshalb ging es für mich gleich nach Beendigung meines Studium’s im März ’11 nach San Francisco.

Harley, zu diesem Zeitpunkt 9 Jahre alt, ist diagnostiziert mit “Reaktiver Bindungsstörung” und “Posttraumatischen Stresssyndrom”, die ihren Ursprung in den ersten drei Jahren ihrer Kindheit haben. Aufgrund schwerer Vernachlässigung durch ihre leiblichen Eltern entwickelte sie ein abnormes Beziehungsmuster zu ihrer jeweiligen Betreuungsperson mit einer Mischung aus Annäherung und Widerstand, sie hatte große Schwierigkeiten mit der Interaktion mit Gleichaltrigen und zeigte Aggressionen gegen sich selbst wie auch andere. Besonders prägnant war Harley’s Bedürfnis nach Sicherheit und ihre Schwierigkeit, auf unvorhergesehene Ereignisse angepasst zu reagieren. Besonders in den ersten Monaten, in denen sie nicht wusste, ob sie mir vertrauen kann, waren aggressive Verhaltensweisen (verbal und körperlich) sehr häufig. Doch hier konnte ich meine ergotherapeutischen Kenntnisse einsetzten. Zusammen mit Harley’s Psychologin fingen wir an, mit “socal stories” zu arbeiten, in denen Harley auf ihren Tag vorbereitet wurde. Diese halfen ihr, bestimmten Situationen ihres Alltages das korrekte Verhalten zuzuordnen. Zudem entwickelte ich eine speziell auf Harley’s Bedürfnisse ausgerichtete “sensory diet”, ein Aktivitätsplan, der ihr über den Tag verteilt den sensorischen Input gab, den sie benötigte. Diese “sensory diet” beinhaltete hauptsächlich propriozeptorische, vestibuläre und taktile Elemente. Ich erhielt phantastische Unterstuetzung von Harley’s Mutter, die mir alle nötigen Materialien besorgte und sehr interessiert an dem “Warum” und “Wie” war.

Doch abgesehen von den Ergotherapeutischen Aktivitäten habe ich mit Harley auch viele andere Dinge unternommen. Wir waren oft in der Bibliothek, haben im Park gespielt ,sind mit dem Hund spazieren gegangen oder waren eine Woche in einem Sommercamp. Meine Gastfamilie hat mich auch nach Alberquerque mitgenommen und unsere Reise nach New York und Philadelphia waren ebenfalls unvergesslich.

San Francisco ist eine großartige Stadt mit einem sehr abwechslungsreichen Nachtleben, tollen kulturellen Oasen und der optimale Ausgangspunkt für zahlreiche Roadtrips wie z.B. nach L.A., Las Vegas oder auch zu den berühmten Red Woods im Norden Californiens. Mein persönliches Highlight war die Reise nach Hawaii mit zwei Freunden.

Als bester Beweis dafür, dass mir die Zusammenarbeit mit apex so gut gefallen hat, bin ich nach dem erfolgreichen Jahr in den USA auch noch für 6 Monate in mein Traumland Australien gegangen. Dort habe ich eine fünfköpfige Familie in Brisbane unterstuetzt, deren Sohn Angus aufgrund einer stark ausgeprägten zerebralen Parese permanent auf Hilfe angewiesen war. Unser gemeinsamer Tag began frueh mit anziehen, Frühstück reichen und für die Schule fertig machen, bis er vom Schulbus abgeholt wurde. Den Tag verbrachte er in einer großartigen Special needs school, in der ich auch hospitieren durfte. Die Nachmittage waren in der Regel gefuellt mit langen Spaziergängen, die Angus liebte, und ergotherapeutischen Aktivitäten auf der Basis von motorisch-funktionellen Behandlungsverfahren und der basalen Stimulation. Zudem nutzen wir ein Kommunikationsbuch mit Bildern.

Abschließend kann ich sagen, dass apex meinen Traum wahr gemacht hat und ich in zwei tollen Ländern und in zwei tollen Familien eine schöne Zeit verbracht habe. Insgesamt waren meinen 1,5 Jahre mit apex eine unvergessliche Erfahrung, die ich nicht missen möchte. So habe ich mich nicht nur in professioneller Hinsicht weiterentwickelt, sondern diese Erfahrungen haben mich auch in persönlicher Hinsicht enorm bereichert.

Ich danke Susan und ihrem Team!

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