Berufserfahrung

Beruf und Ausland vereint: Bianca ist Professional Au-pair in Kalifornien

Als Ergotherapeutin in den USA

Von Gastautor Bianca Flohr − 11. März 2015 remove_red_eye 3.047 Views

Bianca lebt in Southern California, wo sie ein Kind mit sozialen Defiziten betreut. Sie ist gelernte Ergotherapeutin und profitiert bei der Betreuung der kleinen Maya von ihren Erfahrungen und Fähigkeiten als Ergotherapeutin.

doepfer-300x84Ich bin Bianca, 21 Jahre alt und lebe nun seit Dezember 2014 in Southern California.
Ich habe meine Ausbildung zur Ergotherapeutin letztes Jahr abgeschlossen und hatte mich schon davor entschieden, nach dem Examen mit APEX in die USA zu gehen. Dies sollte nicht nur die Erfahrung eines Auslandsjahres mit meinem Beruf verbinden, sondern auch eine Agentur im Hintergrund haben, bei der man gut betreut ist. Klingt fast zu gut um wahr zu sein, richtig? Das dachte ich auch. Irgendwo muss doch der Haken sein.
ABER – nun, da ich wirklich hier bin – es gibt keinen!

Vom Online-Profil zum Auslandsjob

Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte, auf der Website von APEX anzumelden und ein Profil erstellt hatte, habe ich auch schon bald die ersten Familienvorschläge vom APEX Coach erhalten. Ich begann mit verschiedensten Familien zu skypen und hatte die Freiheit, zu sagen, ob ich sie näher kennen lernen möchte oder nicht. Nach einigen Gesprächen lernte ich dann meine jetzige Gast-Mutter Kim kennen. Schon beim ersten Gespräch war mir klar – in dieser Familie kann ich mir vorstellen. zu leben und zu arbeiten. Ab diesem Zeitpunkt ging alles ganz schnell. Nach ein paar weiteren Skype-Terminen hatte ich mich entschieden; hatte bald alle Dokumente zusammen und mein Flugticket im Briefkasten.

Dann kamen die ersten Zweifel… Möchte ich wirklich in ein fremdes Land? Zu einer fremden Familie? Frisch nach der Ausbildung mit fast keiner praktischen Erfahrung? So viel Verantwortung. Bin ich dem gewachsen? Doch eh ich mich versah saß ich im Flugzeug und es gab kein zurück.
Und jetzt bin ich hier und habe es in keinem einzigen Moment bereut, diesen Schritt gemacht zu haben! Ich arbeite mit den Geschwistern Marya (13) und Jackson (11), die beide frühkindlichen Autismus haben. Jackson ist so gut wie nonverbal und weist aggressive Verhaltensmuster auf. Marya ist sehr lebhaft und hat Defizite in der sozialen Interaktion. Doch beide sind sehr intelligent, liebenswert und humorvoll. Ich arbeite täglich mit einem großen Team von Caregivern und Therapeuten zusammen, die die Kinder alle sehr gut kennen und schon lange begleitet haben.

Der Tagesablauf mit Logopäden und Ergotherapeuten

Mein Tagesablauf sieht wie folgt aus: Ich fahre mit Jackson täglich zur Logopädie und Ergotherapie und werde von allen Therapeuten als ausgebildete Fachkraft angesehen und sehr gut in die Therapieprozesse mit  eingebunden.  Nach meiner Pause bin ich dafür zuständig, alle Therapieinhalte in den Alltag einzubeziehen und diese mit den anderen Nannys umzusetzen. Zu meinen Aufgaben gehört unter anderem das Team zu koordinieren und Fragen sowie Konflikte zu klären, da Kim die meiste Zeit in der Arbeit ist. Ansonsten helfe ich bei Kleinigkeiten, die im Haushalt anfallen (Spülmaschine einräumen, Kochen mithelfen, Kinderzimmer mit aufräumen,..) und bei der Pflege/Betreuung der Kinder in Hinsicht auf Hygiene, Schularbeit und Freizeit.

Es ist ein harter und manchmal sehr stressiger Job, da man ja nicht nur mit der Familie arbeitet, sondern auch im gleichen Haus lebt. Doch hier kommt APEX ins Spiel – wir haben eine wundervolle Area-Direktorin, die sehr bemüht und interessiert an allen Au-pairs in der Gegend ist. Sie fragt regelmäßig nach, wie es uns geht, ob die Arbeitszeiten eingehalten werden und ob wir richtig behandelt werden. Ich habe bis jetzt auf jede Frage direkte Rückmeldung erhalten und weiß, es gibt hier immer jemanden, mit dem man über eventuell auftretende Probleme reden kann.

Rundum perfekt betreut

Zudem habe ich das Glück, sehr liebe andere Au-pairs von APEX ganz in meiner Nähe zu haben, die mich von Anfang an offen in ihre Runde aufgenommen haben. So hat man die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen, die einen ähnlichen Alltag haben und nach einem stressigen Tag auch mal ein bisschen in deutsch zu reden.

In meiner Freizeit genieße ich die Ruhe am Strand oder unternehme etwas mit den anderen Mädels. Denn es ist schon eine große Umstellung – ein fremdes Land, fremde Sprache und sehr fremde Kultur. Die Sprache war von Anfang an eher ein kleines Problem, da jeder sehr überrascht ist, wie viel wir Deutschen schon allein auf Grund der wenigen Schuljahre Englisch verstehen und sagen können. Außerdem sind Amerikaner sehr freundlich und hilfsbereit, was einem vor allem zu Beginn die Angst nimmt, immer wieder nachfragen zu müssen.

Wie schon erwähnt, habe ich noch keinen einzigen Tag bereut, hier zu sein und diesen Schritt gemacht zu haben. Denn auch, wenn es harte Tage gibt und stressige Momente, ist es mir die Mühe und Anstrengung wert. Ich bekomme so viel Dankbarkeit und Wertschätzung von der Familie sowie von den Therapeuten. Ich werde behandelt, wie ein vollwertiges Mitglied der Familie, werde in alle Feste und Aktivitäten integriert – sofern ich das möchte. Ich habe schon jetzt so viel dazu gelernt und erlebt, auf persönlicher und beruflicher Ebene, das mir nie wieder jemand nehmen kann.
Und was gibt es schöneres für einen Therapeuten als Ergebnisse der eigenen Arbeit zu sehen? Indem ein Wochenziel vollständig erreicht ist oder eines der Kinder strahlt und stolz auf sich ist, weil es zum ersten mal Schuhe binden kann oder das erste mal ‚Hallo‘ sagt…

Liebe Grüße aus dem sonnigen Californien an die Döpfer Schule München! :)

Ähnliche Artikel aus der KategorieBerufserfahrung